Die 10 Gebote aus logotherapeutischer Sicht

Die logotherapeuti­sche „Übersetzung“ der Zehn Gebote lautet:

  1. Gebot: Du sollst den Bezug zur Transzendenz nicht verlieren.
  2. Gebot: Du sollst dir deine Empfänglichkeit für Werte erhalten.
  3. Gebot: Du sollst zeitweise innehalten zur Zwiesprache mit deinem Gewissen.
  4. Gebot: Du sollst deinen Eltern die Fehler, die sie an dir begangen haben, verzeihen.
  5. Gebot: Du sollst die Sinnhaftigkeit des Lebens bedingungslos bejahen.
  6. Gebot: Du sollst die Lust als Nebenwirkung eines Aktes der Liebe geschehen lassen.
  7. Gebot: Du sollst nur an dich und auf dich nehmen, was für dich gemeint ist.
  8. Gebot: Du sollst das zwischenmenschliche Leid in der Welt nicht vermehren.
  9. Gebot: Du sollst die Zusammengehörigkeit der Familie achten und bewahren.
  10. Gebot: Du sollst nicht ein Haben intendieren, sondern ein Sein.

(In: E. Lukas, Spirituelle Psychologie, München: Kösel Verlag 1998, S. 44f.)

 

Bekanntlich wächst der Mensch mit seinen Aufgaben. Er wächst jedoch nicht nur mit ihnen, er schrumpft auch mit dem Verlust von Aufgaben, weshalb es wichtig und notwendig ist, sich in jedem Lebensalter Aufgaben zu setzen, die sowohl zu den jeweiligen Umständen als auch zu den eigenen Kräften passen. Wobei ich absichtlich sage: sie sich setzen, und nicht, daß sie gesetzt werden müßten. (...) In der Kindheit wird uns der Sinn des gegenwärtigen Augenblicks von den Eltern und Lehrern verdeutlicht. (...) In der Erwachsenenzeit macht uns niemand mehr in ähnlicher Weise auf den Sinn des gegenwärtigen Augenblicks aufmerksam (E. Lukas, Auf den Stufen des Lebens. Meine bewegendsten Fallbeispiele aus der Seelenheilkunde nach Viktor E. Frankl, Gütersloh: Quell Verlag 2001, 134).

Man kann nichts – rein gar nichts! – tun, um glücklich zu werden. Je verkrampfter die Absicht, desto schlechter das Ergebnis. Was man hingegen tun kann, ist, aus echten Motiven heraus sinnvoll zu leben und sinnvoll zu handeln, und sich vom Glück überraschen zu lassen. Das Gleiche gilt für jegliches Beziehungsglück. Man kann nichts – rein gar nichts! – tun, um es für sich zu erhaschen. Aber man kann sich feinfühlig, großzügig, tolerant, aufmerksam, unaufdringlich und respektvoll seinen Mitmenschen zuwenden und solcherart gegenseitig wachsender Zuneigung Raum geben. – Wer geliebt werden will, muß ‚liebens-würdig’ sein und sich dementsprechend verhalten. Er muß eine Ausstrahlung haben, die der Liebe den Weg ebnet (E. Lukas, Familienglück, München: Kösel Verlag 2001, S. 19, 17).