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Zum 100. Geburtstag von Dr. Walter Böckmann, dem Vater der Sinnorientierten Führungslehre

Von Andreas Mascha

Anlässlich des 100. Geburtstags von Dr. Walter Böckmann, dem Autor und Begründer der Sinnorientierten Führungslehre, am 6. Mai 2023 möchte ich, als sein Verleger und Gründer des Instituts für Sinnorientierte Führung (ISF), ein paar Reflexionen zur Aktualität der Sinnorientierten Führung teilen. Den 90. Geburtstag konnten wir noch auf seinem Anwesen in Bielefeld, wo auch das von ihm 1983 gegründete Westdeutsche Institut für Logotherapie und Psychologie der Arbeitswelt seinen Sitz hatte, zusammen feiern und am Abend des 6.5.2013 war noch dem Jubilar zu Ehren eine Veranstaltung zur Sinnorientierten Führung im Bielefelder Industrie- und Wirtschaftsclub zusammen mit Dr. Otto Zsok und Karl Fordemann. Walter Böckmann ist ein Jahr später im Alter von 91 Jahren gestorben und auch  Otto Zsok, der sich intensiv mit Böckmanns Lebenswerk und seiner Führungslehre beschäftigt hat (vgl. www.eos-verlag.de/sinn-orientierte-fuehrungslehre-nach-walter-boeckmann), ist im Dezember 2022 nach schwerer Krankheit viel zu früh verstorben.

Über sein Buch „Sinn-orientierte Führung als Kunst der Motivation“ war ich auf Walter Böckmann (für eine Kurzbiografie vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_B%C3%B6ckmann) bereits Anfang der 90er Jahre in meinem Betriebswirtschaftslehre-Studium in München gestoßen und hatte mich dann auch in meiner Diplomarbeit weiter mit seiner sinnorientierten Führungslehre beschäftigt. Die Zusammenschau von Wirtschaft & Arbeitswelt – mit ihren Themen wie Leistung, Motivation, Führung, Erfolg – mit (Höhen-)Psychologie und ganzheitlicher Anthropologie (der Mensch als primär sinn-suchendes Wesen!) war für mich ein Heureka-Erlebnis und quasi der „missing link“ in meinem BWL-Studium, zumal ich schon einige Bücher von Viktor E. Frankl kannte, auf dessen Sinn-Lehre sich Böckmann zentral bezieht.

Der Führungstheoretiker, promovierte Arbeitssoziologe und Wirtschaftspsychologe Böckmann hatte in seinem 1967 erschienenen und sehr erfolgreichen Buch „Millionenverluste durch Führungsfehler“ den angst-orientierten Führungsstil scharfsinnig kritisiert. Doch erst die Begegnung mit Viktor E. Frankl und seiner Sinnlehre 1969 brachte den konstruktiven Durchbruch. Franks Anthropologie – der Menschen als primär sinnsuchendes Wesen -, die wiederum auf der philosophischen Anthropologie Max Schelers basiert, war für Böckmann, wie er mir einmal sagte, eine „Offenbarung“. Von da an widmete Böckmann seine Arbeit, seine Forschung und seine Bücher der sinn-orientierten Führung. Für eine Rekapitulation der Begegnung und Zusammenarbeit zwischen Böckmann und Frankl sei auf Otto Zsoks Buch „Sinn-orientierte Führungslehre nach Walter Böckmann. Leben und Werk des Bielefelder Soziologen“ (Teil 1 Lebensstationen: Begegnung mit Viktor E. Frankl S. 38 ff.) hingewiesen. Otto Zsok geht im zweiten Teil seines Buches auch näher auf einige wichtige Bücher Böckmanns im Hinblick auf seine Sinnorientierte Führungslehre ein. Vermutlich aufgrund der Fortbildungen im Westdeutschen Institut, der intensiven Gespräche zum Thema und der langjährigen Freundschaft hat Walter Böckmann mir im Oktober 2006 seine Schriften zur Sinnorientierten Führung vermacht und ich habe 2007 seine Littera-Reihe in meinem Verlag neu herausgegeben (www.AndreasMascha.de/VAM-littera.pdf). 2008 habe ich das Institut für Sinnorientierte Führung (ISF) gegründet (www.i-s-f-online.de), nicht nur um sein Archiv zu übernehmen und sein Lebenswerk zu bewahren, sondern auch um die sinnorientierte Führung, die ja in Deutschland in den Hochzeiten der Industrieökonomie konzipiert wurde, fortzuführen und mit besonderem Fokus auf die aktuellen Anforderungen einer Information- und Wissensökonomie des 21. Jahrhunderts weiterzuentwickeln. Für einige dieser Perspektiven sei auf meinen Grundlagenaufsatz „Sinnorientierte Führungsphilosophie im 21. Jahrhundert“ (in: Otto Zsoks Böckmann-Buch S. 277 – 288, sowie online unter www.i-s-f-online.de/SinnorientierteFuehrung21.pdf ) hingewiesen.

Die Sinnorientierte Führung ist mittlerweile zwar ein wirtschaftswissenschaftlich anerkannter, eigenständiger Führungsstil und ist heute aktueller und wichtiger als je zuvor, aber es bleibt auch eine große Entwicklungsherausforderung an den Praktizierenden – sowohl im Hinblick auf die unabdingbare Sinnorientierte Selbstführung (www.i-s-f-online.de/SinnorientierteSelbstfuehrung.pdf ) als auch auf die Sinnorientierte Menschenführung und Unternehmensführung. So steht auch in dem mit dem ISF-Team entwickelten ISF-Leadership Programm (vgl. unter www.i-s-f-online.de) die sinnorientierte (Führungs-)Persönlichkeitsentwicklung ganz im Zentrum der Vermittlung dieses Führungsstils.

„Wer Leistung fordert, muss Sinn bieten!“ dieser Buchtitel Böckmanns und das Motto der Sinnorientierten Führung bringt es auf den Punkt – auch mit Blick auf sich selbst.

Foto: Walter Böckmann mit Viktor E. Frankl (© Böckmann-Archiv)

© Littera Publikationen ed.ahcsaMsaerdnA@galreV

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