Überspringen zu Hauptinhalt

Jahresrückblick 2023

Liebe Freundinnen und Freunde unseres Instituts, geschätzte Damen und geehrte Herren, Kolleginnen und Kollegen, liebe Absolvent*innen und Kursteilnehmer*innen,

unser Jahresrückblick nimmt heuer nicht, wie in den Jahren davor, nur die vergangenen zwölf Monate in den Blick. Vielmehr möchten wir Sie und Euch teilhaben lassen an einer von Abschied, Übergang und auch Neuerung geprägten Zeit hier bei uns im Süddeutschen Institut für Logotherapie und Existenzanalyse seit dem Herbst 2022. Wir, Nadja Palombo und Dr. theol. habil. János Vik, möchten auf unterschiedliche und persönliche Art und Weise das Gewesene noch einmal Revue passieren lassen und gemeinsam den Blick nach vorne in das neue Jahr und auf das Kommende richten.


Nadja Palombo

Für mich ist dieser Jahresrückblick in vielerlei Hinsicht verbunden mit intensiven Erfahrungen und Gefühlen. Der Herbst des Jahres 2022 war einerseits auf sehr schmerzliche Weise geprägt von Ottos Erkrankung und den damit verbundenen Sorgen und Einschränkungen. Andererseits war es eine Zeit des zuversichtlichen Hoffens und des regen Im-Kontakt-Seins mit den Studierenden und dem Institut verbundenen Menschen. Ottos Begeisterung für diesen Austausch und die vielen Projekte und Pläne, die in dieser Zeit noch Gestalt angenommen haben, bereichern meine Erinnerungen an diese Zeit.

Auch auf unserem Jubiläumskongress im Oktober 2022 im Veranstaltungsforum Fürstenfeldbruck waren diese ambivalenten Empfindungen sehr spürbar. Die große Freude über das gemeinsame Erreichte und das Wiedersehen mit den vielen, teils langjährigen, Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern, Kursteilnehmenden und Absolvent*nnen waren besonders wertvoll, da Otto sie mit mir und uns teilen konnte. Er hatte noch intensiv an der Gestaltung dieses Kongresses mitgewirkt und persönlich vor Ort seinen Rückblick auf all das Gelungene der vergangenen Institutsjahre mit den Anwesenden geteilt. Und gleichzeitig war dieser Kongress auch ein Moment des persönlichen Abschiednehmens von vielen Menschen, die Otto in seinem Leben begleitet hat und die ihn begleitet haben.

Am 04. Dezember 2022 – vor nunmehr einem Jahr – ist Otto in der Ruhe seines Zuhauses verstorben. Die Beerdigung fand am Alten Friedhof in Fürstenfeldbruck und damit unweit des Instituts statt. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei Ihnen und Euch allen von Herzen für die Anteilnahme bedanken.

Was ich und Menschen mit mir, neben einer Vielzahl wertvoller Momente, seit diesem Tag vermissen, sind Ottos Gedanken, seine Gesten, sein Lachen. Was hätte er wohl zur aktuellen sozial- und weltpolitischen Lage gedacht, gesagt und geschrieben? Wir können es nur erahnen und so fordert es uns dazu heraus, all die Impulse, kritischen Gedanken, die wir vielleicht mit ihm diskutiert hätten, weiterzudenken und uns selbst verstärkt damit zu befassen. Manche Gedanken dazu hat Otto Zsók noch in dem zuletzt (2022) erschienenen Buch „Klein- und Groß-Geister in der europäischen Politik“ ausgeführt. Die logotherapeutische Frage „WOZU fordert mich diese Situation heraus?“ – im Kleineren als auch im Größeren ist eine Wesentliche für mich und vielleicht auch für manch anderen. Nicht alles, was zu Otto gehört und untrennbar mit dem Institut verbunden ist, kann in gleicher Weise fortgeführt werden. Dennoch wird vieles im Gedenken an Otto Zsók weiterleben oder in neuer Form seinem Platz im Institut finden. Was er aufgebaut hat, ist lebendiger Teil des Institutsgeschehens, zum Beispiel die Skripten, die als Grundlage für die Theoriesemester weiter zur Verfügung stehen, die zahlreichen Veröffentlichungen in Form von Büchern und Texten bleiben Teil eines tragenden Fundaments.

In diesen für mich aber auch für das Institut herausfordernden Zeiten durften wir uns über eine sehr große Bereitschaft zur Unterstützung und Mitwirkung freuen. Unser Dank gilt allen, die in diesen Monaten mit ihrem engagierten Einsatz das Institut stets weiter „auf Kurs gehalten“ haben. Und allen, die Otto und mich begleitet haben. Nur so ist es uns gelungen, den Kongress gemeinsam zu feiern, den Tagesbetrieb fortzuführen und vor allem auch die Ausbildungskurse ohne Unterbrechungen weiterlaufen zu lassen und im Februar 2023 abzuschließen. Ich habe mich nie allein gefühlt, es war ein gemeinsames Miteinander – danke.


János Vik

Mit Freude und Dankbarkeit für den Vorschuss an Vertrauen habe ich 2023 die Dozententätigkeit und die fachliche Leitung am Institut auf- und übernommen. Rückblickend erlebe ich mein erstes Jahr am Süddeutschen Institut als den Eintritt in eine lebendige geistige Werkstatt. Diese Werkstatt steht auf festem Fundament. Denn das Lebenswerk der Institutsgründerin, Elisabeth Lukas, ist weiterhin jener geistige Raum, in dem wir uns im Team alle bewegen. Diese Werkstatt ist – in meiner Wahrnehmung – gleichwohl offen für die Weiterentwicklung der Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl. Aufgrund der engagierten und zukunftsweisenden Leitung durch Otto Zsók und Nadja Palombo entwickelte sich das Institut nämlich weiter und öffnete sich während der letzten zwei Jahrzehnte einem inter- und transdisziplinären Ansatz in der berufsbegleitenden Ausbildung in Logotherapie und Existenzanalyse.

Beide, also, sowohl die feste Verbindung und die lebendige Kontinuität zum Lebenswerk Viktor Frankls und Elisabeth Lukas als auch die achtsame und offene Wahrnehmung der Zeichen der Zeit in der Vermittlung der Grundlagen und der praktischen Vertiefungsmöglichkeiten der Logotherapie und Existenzanalyse, sollen in der Zukunft aufrechterhalten werden.

Die Zusammenarbeit mit den Teilnehmenden in der Ausbildung, den Seminaren und an den Vorträgen erlebe ich als einen inspirierenden geistigen Raum, in dem Entwicklung, Wachstum und gegenseitige Bereicherung in fachlicher und persönlicher Hinsicht, trotz und zugleich dank der großen Vielfalt auf der Ebene der anwesenden Persönlichkeiten, auf wunderbarer Weise möglich ist. Ich denke, diese Kultur des offenen, verantwortungsvollen und persönlichen Umgangs miteinander und mit den aktuellen Herausforderungen der jeweiligen Gegenwart ist ebenfalls ein großer Verdienst von Otto und Nadja, die den sinnorientierten Ansatz der Logotherapie während der letzten zwei Jahrzehnten nicht nur lehren, sondern immer auch leben wollten. Für diese Erfahrungen bin ich bezüglich des Jahres 2023 besonders dankbar.


Institut im Wandel

Im Frühjahr 2023 widmeten wir uns der Aufgabe, das neue Semester „Vom Wesen des Menschen – Logotherapie als Persönlichkeitstheorie. Logotherapeutische Anthropologie“ vorzubereiten und im März mit rund 40 Teilnehmenden verteilt auf zwei Ausbildungskurse zu starten. Dr. theol. habil. János Vik hat zu diesem Zeitpunkt die Federführung übernommen und konnte sich dank seiner persönlichen und fachlichen Kompetenzen schnell als neuer Dozent für Logotherapie am Süddeutschen Institut einfinden. Das hohe Niveau unserer Ausbildung konnte auf diese Weise ohne Unterbrechung weitergeführt werden. Dazu kam die Offenheit gegenüber János als neuem Dozierenden, die von Beginn an gegeben war. Die Schritte der Neugestaltung im Institut wurden von den Studierenden auf motivierende und schöne Weise mitgetragen. Von Ende 2022 bis Sommer 2023 fand erneut die Weiterbildung „Wertimaginative Logotherapie“ mit Andreas Böschemeyer und 9 Studierenden statt.

Nach einer kurzen Sommerpause, die nur eine kleine Verschnaufpause war, setzten wir im September 2023 die Ausbildung mit dem Thema „Logotherapie in der Krisen-Prävention – Logotherapeutische Prinzipien einer Psychohygiene“ fort. Neue Menschen, die Otto nicht kannten, sind hinzugekommen – und auch das ist eine neue Erfahrung. Es gibt noch zahlreiche Aufgaben, die auf ihren Abschluss warten, wie die Korrektur einiger Hausarbeiten. Dies zeigt erneut, wie produktiv Otto war und wie groß die Lücke ist, die er hinterlassen hat. Vielen Dank für Euer Verständnis und Eure Geduld.

Circa zehn öffentliche Vorträge und Seminare konnten wir im Jahr 2023 durch die Mitwirkung verschiedener Vortragender anbieten. Die Themen reichten von Buchvorstellung bis hin zur Tragischen Trias in der Kunst, von Methoden in der Gesprächsführung, „Sinnorientierter Führung“ hin zur Musiktherapie. Teilweise konnten wir die Veranstaltungen kostenfrei anbieten und die unterschiedlichen Themen stießen auf große Resonanz bei den Teilnehmenden.

Auch für das kommende Jahr haben wir bereits einige Veranstaltungen geplant und freuen uns über Ihr und Euer Interesse. Für Absolvent*innen und Studierende bieten wir regelmäßig Supervisionsgruppen an. Eine Gruppe leitet Dr. med. Iris Habitzel und für die Wertimaginative Logotherapie bietet Andreas Böschemeyer ebenfalls regelmäßig Supervision-Gruppentermine (zunächst online) an. Für die zweite Jahreshälfte ist wieder ein Praxistag geplant. Darin wird es um die Vertiefung der Gesprächsführung gehen und den Einsatz der Aufstellungsmethode. Die ersten Veranstaltungen stehen schon fest, weitere werden folgen.

Zum Jahresauftakt im Jahr 2024 laden wir Sie herzlich ein zum kostenfreien Vortrag von János Vik: Den „Tragischen Optimismus“ Frankls leben und heute neu denken.

Diesen und weitere Termine finden Sie in unserem Kalender.


Ausblick

Den Jahresausklang möchten wir nutzen, um für das wertvolle Gewesene dankbar zu sein. Für den Jahresübergang und das kommende Jahr wünschen wir uns allen und insbesondere den Menschen, die sich in schwierigen, leidvollen Situationen befinden, friedvolle Ruhe im Inneren und im Außen. Wir hoffen, dass wir durch Mitgefühl und Anteilnahme, durch unser So-Sein und Wirken uns selbst und anderen Menschen etwas Gutes geben können.

Möge das heitere Trio: Dankbarkeit, Freude und Humor Ihnen und uns allen im neuen Jahr die Kraft geben, unsere Herausforderungen zu meistern! Otto Zsók verweist auf diese drei Werte, die noch umfassender zum Wesenskern des Menschen gehören als Leid, Schuld und Tod.

Für das Institut wünschen wir uns, dass wir weiterhin in dieser inspirierenden Verbundenheit bleiben und die neuen Akzente unser Tun und Wirken auf interessante Weise bereichern. Wir hoffen, dass der bereits gelebte Netzwerkgedanke sich im kommenden Jahr weiter entfalten wird und sind für neue Anregungen und Ideen jederzeit offen und freuen uns über den Austausch mit allen Ideengebenden und Interessierten.

Mit herzlichen Grüßen und Segens-Wünschen,

Nadja Palombo und János Vik
und das gesamte Team des Süddeutschen Instituts

-> Jahresrückblick 2023 zum Download

An den Anfang scrollen