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BeSINNung

August 2021: Vor einigen Wochen lese ich in den Memoiren eines ehemaligen Wehrmachtssoldaten, der das Grauen an der Ostfront, widerwillig, aber in gläubiger Gesinnung, durchgemacht hat, folgende Sätze: „Die Menschheit hat bisher nicht begriffen, dass bewaffnete Konflikte und dieser fürchterliche Scheißkrieg gar keine Probleme lösen können. Als gläubiger Christ flehe ich jeden Tag in meiner Seele die Gnade von Oben an, damit wir alle, – Deutschen und Russen, Franzosen, Polen und Engländer usw. – endlich zu Besinnung kommen. Gott steh‘ mir bei, dass ich überlebe und meine Frau wiedersehe.“ – Diese Zeilen hat der besagte Mann Mitte Juli 1944 geschrieben, vor dem Attentat gegen den „größten Führer aller Zeiten“. Als der Wehrmachtssoldat hörte, dass das Attentat gescheitert ist, war er nahe daran, sich umzubringen. Doch etwas Undefinierbares hat ihn zurückgehalten, erzählte er fünfzig Jahre später (1994), wonach er noch ein Jahr leben und dann in Frieden sterben durfte. Hinterlassen hat er einen kurzen Brief an seinen einzigen Sohn und darin die Sätze: „Sofern viele Menschen den Hass in sich selbst überwinden, wird diese Welt weiterhin Bestand haben. Der Segen des Himmels möge dir täglich beistehen, mein lieber Sohn.“ –

Ja: Den Hass in sich selbst überwinden! Darum geht es und dann wird sich auch der Klimawandel noch einmal – positiv – wandeln. Davon redet die Geschichte vom Regenmacher. Man muss ihren tieferen Sinn mit dem Herzen erfühlen.

„In einem Dorf hatte es lange nicht geregnet. Alle Gebete und Prozessionen hatten nichts genützt, der Himmel blieb verschlossen. In der größten Not wandte sich das Dorf an den Großen Regenmacher. Er kam und bat um eine Hütte am Dorfrand und um Brot und Wasser für fünf Tage. Dann schickte er die Leute zu ihrer täglichen Arbeit. Am vierten Tag regnete es. Die Menschen kamen jubelnd von ihren Feldern und Arbeitsplätzen und zogen vor die Hütte des Regenmachers, um ihn zu feiern und nach dem Geheimnis des Regenmachens zu fragen. Er antwortete Ihnen: „Ich kann keinen Regen machen.“ Die Leute sagten: „Aber es regnet doch!“ Der Regenmacher erklärte ihnen: „Als ich in eueren Dorf kam, sah ich die äußere und innere Unordnung. Ich ging in die Hütte und brachte mich selber in Ordnung. Als ich in Ordnung war, kamt auch ihr in Ordnung, und als ihr in Ordnung wahrt, kam auch die Natur in Ordnung, und als die Natur in Ordnung war, hat es geregnet.“ (Nach Willigis Jäger). Fazit: Der innere Wandel der eigenen Persönlichkeit – Harmonie in der Psyche und Klarheit im Geist – ermöglicht mit Sicherheit den Wandel der Welt da draußen.

Der Klimawandel bedroht uns, ja, und noch mehr bedrohen uns Menschen die Hass-Ströme in vielen Formen, deren Überwindung oder zumindest Begrenzung den maximalen Krafteinsatz – die Aktivierung der Trotzmacht des Geistes – erfordert. Wer kann dies leisten? Du, ich, er, sie und Wir. Ein jeder Mensch, der halbwegs zu Bewusstsein gekommen ist und fühlt, dass es für alle besser ist: sich solidarisch und friedlich zu verhalten; sich gegenseitig nicht mehr weiter zu traumatisieren; sich ein wenig in Demut zu üben und so zu akzeptieren, dass wir nicht Gott sind, sondern nur Kreaturen, die einen Funken des Ewig-Einen in uns tragen. Diesen Geistes-Funken zu erfühlen und seine Lichtkraft auswirken zu lassen … Wer kann dies tun? … Ich, du, er, sie, … Wir.

Der Umweltschutz und der Innenweltschutz hängen geheimnisvoll zusammen. Viele Einzelne, die im eigenen Inneren das Harmonische anstreben, beeinflussen zum Guten hin auch die äußere, physische, natürliche Umwelt. Harmonie aber duldet keine Gier, keine Ausbeutung, keine Ungerechtigkeit, keine Habsucht. Es fühlt sich gut an, nach Harmonie zu streben. Es ist sinnvoll.

Dr. Otto Zsok

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