Berufsbegleitender Lehrgang in Logotherapie und Existenzanalyse

Worum geht es in der Logotherapieausbildung?

In unserem Institut findet seit April 1986 kontinuierlich die berufsbegleitende Fortbildung in Logotherapie und Existenzanalyse statt. Logotherapie und Existenzanalyse wird seit 1948 als die „Dritte Wiener Schule der Psychotherapie“ bezeichnet. Herausgearbeitet und begründet hat sie Dr. med. et Dr. phil. Viktor Emil Frankl (1905 – 1997) Wiener Psychiater, Neurologe und Arzt-Philosoph, zugleich Überlebender von vier Konzentrationslagern. Die erste Wiener Schule, von Sigmund Freud ist die Psychoanalyse, die zweite Wiener Schule, von Alfred Adler gegründet, ist die Individualpsychologie.

Dieses Curriculum lehnt sich eng an das 2013 veröffentlichte Curriculum von Dr. phil. Elisabeth Lukas an. Es umfasst fünf Theoriesemester mit entsprechenden praktischen Übungen, Fallbesprechungen, Methodenseminaren und Bausteinen zur Selbsterfahrung, sowie drei Praxisorientierte Vertiefungen: Supervision, Biographiearbeit und Sinnseelsorge. Es handelt sich, in Stundenzahl ausgedrückt, um 810 Stunden Fortbildung.

Denen, die sich die Logotherapie aneignen wollen, empfahl einmal der 87-jährige Viktor Frankl Folgendes:
„Vergessen Sie vor allem eines nicht: Ausbildung ist nicht alles. Unabhängig von ihr muss etwas hinzutreten, das man mitbringen, mitbekommen haben muss, nämlich die Begabung. Die spezielle Begabung zur Führung, Beratung und Behandlung von Menschen. Als weiteres tritt die Erfahrung hinzu, die man weder mitbekommen noch im Rahmen einer Ausbildung erwerben kann. Es handelt sich dabei um den persönlichen Erfahrungsschatz, der einem im Laufe von Jahren, ja, Jahrzehnten der Praxisausübung zuwächst, nachdem man in der Theorie ausgebildet worden ist und die Supervisionszeit hinter sich gebracht hat. Das alles mögen Sie nicht vergessen.“
(Viktor Frankl, Ansprache auf Video für die Tagung in Chemnitz 1992, hier zitiert aus dem Jahresbericht Süddeutsches Institut 1992, S. 10f.).

AusbildungBegabungErfahrung: Für das erste „Element“ ist der Dozent zuständig. Für das zweite und dritte „Element“ der Studierende selbst: der erwachsene, in einem Beruf schon arbeitende Mensch, der – im Zuge der Ausbildung in Logotherapie und Existenzanalyse – seine Fähigkeiten in Führung, Beratung und psychotherapeutischer Behandlung zu verfeinern sich bemüht und seine Sinn-Kompetenz einübt. Das alles aber ist ein Lernprozess.

Es ist gut begründet, dass unsere Fortbildung 810 Stunden umfasst, verteilt auf etwa 3 bis 4 Jahren. Dass dabei die Teilnehmenden befähigt werden, in ihrem eigenen Berufsfeld mit erweiterter Qualifikation und Sinnkompetenz zu wirken, ist nur ein Vorteil. Darüber hinaus nehmen sie auch wichtige An-regungen für die Erarbeitung einer neuen beruflichen Praxis mit. Nicht zuletzt lernen sie erkennen, dass sie zutiefst sinn- und werteorientierte Persönlichkeiten sind.

Einerseits wird im Lehrgang ein ganzheitliches Menschenbild vermittelt. Andererseits wird gezeigt, wie Sinnperspektiven, spezifisch logotherapeutische Methoden und Konzepte in die Arbeit mit Menschen – in Lebensberatung, Psychotherapie und Bildung – eingebaut werden können. Es wird aber ebenso deutlich, wie die Logotherapie und Existenzanalyse auch in der Umsetzung in beruflichen Kontexten der Wirtschaft, in der Pflege, im Ehrenamt und in persönlichen Beziehungen Früchte trägt.

Die im Gesamt-Lehrgang erworbenen Kenntnisse und Erkenntnisse verleihen den Teilnehmenden die Kompetenz, selbständig logotherapeutisch zu beraten und – nach den Richtlinien der DGLE – die Berufsbezeichnung Logotherapeut DGLE® zu führen.

Als eine sinnorientierte Psychotherapie ist die Logotherapie sicher „keine Panazee“, also kein „Allheilmittel“ und kein Wundermittel, sagte Frankl als er die Frage „Was ist Logotherapie“ erörterte. Und er fügte in großer Klarheit hinzu:
„Weder lässt sich jede Methode in jedem Falle mit den gleichen Erfolgsaussichten anwenden, noch kann jeder Therapeut jede Methode mit der gleichen Wirksamkeit handhaben“.

Der sogenannte »Plusfaktor« der Logotherapie und Existenzanalyse besteht jedoch darin, dass sie, im Gegensatz zu anderen Psychotherapien, nicht nur die Ebene der Neurose – der psychischen Störung im weiten Sinne – vor Augen hält, sondern, über sie hinausgehend, in die Dimension der spezifisch humanen Phänomene vorstößt: – das ist die geistige Dimension. Dort entdeckt die Logotherapie die zwei fundamental-anthropologischen Charakteristika menschlicher Existenz, die da sind: ihre Selbst-Transzendenz und die Fähigkeit zur Selbst-Distanzierung. So kann die Logotherapie diese spezifisch geistigen Basisfähigkeiten des Menschen in ihr Instrumentarium einbeziehen. Darüber hinaus ist die Erweiterung der Wertorientierung der Patienten zentrales Anliegen und die Mitte der logotherapeutischen Intervention. Ist im Zentrum jeglicher Psychotherapie die Wert- und Sinnproblematik angesiedelt, wie das von tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapeuten zunehmend anerkannt wird, dann ist sicherlich berechtigt, so Wolfram Kurz, das logotherapeutische und existenzanalytische Grundanliegen als Mitte psychotherapeutischer Intervention aufzufassen und zu begreifen. Diesem „psychotherapeutischen Credo“ gemäß bieten wir in unserem Institut die Ausbildung an.

Der Lehrgang des Instituts vermittelt die originäre Logotherapie und Existenzanalyse, sich am weltweit anerkannten Franklschen Gedankengut orientierend. Weiterentwicklungen, die dem Menschenbild Frankls entsprechen, werden stets berücksichtigt.

Der Teilnehmende an unseren Kursen profitiert sowohl privat wie auch beruflich: Die sinn- und werteorientierte Bildung der eigenen Persönlichkeit, die Verfeinerung des Wertgefühls sowie die Erarbeitung einer Sinn-Kompetenz sind allemal nützliche Elemente.

Handeln und Wirken im Geiste der Logotherapie und Existenzanalyse heißt immer wieder: Hingabe und heilsamer Rückzug. »Weg von mir und hin zu Dir oder zur Aufgabe«, die da ansteht: Selbsttranszendenz auf ein Jemand oder etwas Wertvolles hin. Bildhaft ausgedrückt, ist das wie das Ausatmen. Zugleich aber lebt der Mensch auch das Einatmen als Einkehr in die eigene Mitte, als ein Jemand, der sich in der Stille aufhält, sich in seinem geistigen Wesenskern spürend. Und diese beiden »Bewegungen« sind ineinander verschränkt und ergänzen sich.

Drei Thesen zum Menschsein begleiten uns in der Ausbildung wie ein
Basso continuo:

  1. Der Mensch ist ursprünglich von einem Willen zum Sinn durchdrungen.
  2. Sein spezifisches, humanes Sein überwölbt das Psychophysikum (Soma/Körper und Psyche) und ist erst in der geistigen (noetischen) Dimension erlebbar: dort, wo der Mensch als geistige Person sich als frei und verantwortlich erfährt.
  3. Es ist der konkrete Sinn, der des Menschen Leben glücken lässt. Der vom Menschen gesuchte Sinn ist aber transsubjektiv; man kann ihn nicht „produzieren“ oder „machen“, sondern nur mit Hilfe des Gewissens abtasten, entdecken, erspüren und dann wahr machen. Der „Logos“ der Logotherapie hat einen transsubjektiven und transzendenten Bezug. Und die „Existenz“ der Existenzanalyse stellt ein »Sich-verhalten-Können« den anderen, sich selbst und auch gegenüber der Transzendenz dar.

Frankl sagte: „Die Existenzanalyse [als eine anthropologische Forschungsrichtung] hat sich zur Aufgabe gemacht, das Zimmer der Immanenz so einzurichten, dass dabei die Tür zur Transzendenz offen bleibt.“

In anderen Worten: Die Logotherapie und Existenzanalyse als eine sinnorientierte Form der Psychotherapie beschreibt den Menschen als ein Wesen, das auf die Transzendenz hin offen ist. Im Begriff der geistigen Person, die sich letztlich nur von der Transzendenz her versteht und erfühlt, hat dies Frankl auf den Punkt gebracht. Somit ist Logotherapie und Existenzanalyse sowohl Anthropologie als auch Psychotherapie und (Lebens-)Philosophie.

Frankl sagte: „Die Existenzanalyse [als eine anthropologische Forschungsrichtung] hat sich zur Aufgabe gemacht, das Zimmer der Immanenz so einzurichten, dass dabei die Tür zur Transzendenz offen bleibt.“

In anderen Worten: Die Logotherapie und Existenzanalyse als eine sinnorientierte Form der Psychotherapie beschreibt den Menschen als ein Wesen, das auf die Transzendenz hin offen ist. Im Begriff der geistigen Person, die sich letztlich nur von der Transzendenz her versteht und erfühlt, hat dies Frankl auf den Punkt gebracht. Somit ist Logotherapie und Existenzanalyse sowohl Anthropologie als auch Psychotherapie und (Lebens-)Philosophie.